In der politischen Arena braut sich etwas zusammen: Der Wirtschaftsflügel der CDU fordert ein Ende des Rechtsanspruchs auf „Lifestyle-Teilzeit“. Wer weniger als Vollzeit arbeiten möchte, soll das künftig nur noch mit „wichtigen Gründen“ wie Kindererziehung oder Pflege rechtfertigen dürfen.
Für uns Gründer und Selbstständige klingt diese Debatte wie eine Nachricht aus einer vergangenen Ära. Während die Politik über Stundenkonten und Präsenzpflicht philosophiert, wissen wir längst: Erfolg bemisst sich nicht in abgesessener Zeit, sondern in Ergebnissen.
Das Märchen von der „faulen“ Teilzeit
Hinter dem Kampfbegriff „Lifestyle-Teilzeit“ verbirgt sich das Vorurteil, dass weniger Arbeitszeit automatisch weniger Leistungsbereitschaft bedeutet. Doch für viele Unternehmer und Freelancer ist die Reduzierung der Stunden kein Rückzug ins Private, sondern eine strategische Entscheidung für mehr Effizienz.
Wer weiß, dass er nur ein Zeitfenster von 5 oder 6 Stunden hat – sei es wegen der Kitazeiten oder weil er parallel ein zweites Standbein aufbaut –, arbeitet oft fokussierter. „Parkinsons Gesetz“ besagt: Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht. Wer weniger Zeit hat, eliminiert Bullshit-Meetings und Kaffeeküchen-Marathons.
Teilzeit als Überlebensstrategie im Gründungsprozess
Besonders in der Gründungsphase ist Flexibilität kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit.
- Sidepreneurship: Viele starten ihr Business in Teilzeit, um das Risiko zu minimieren.
- Care-Arbeit: Ohne das Modell Teilzeit wäre Unternehmertum für Eltern (und vor allem Mütter) oft gar nicht realisierbar, solange die staatliche Infrastruktur bei Kita-Ausfällen und Lehrermangel regelmäßig kollabiert.
Wenn die Politik nun den Rechtsanspruch auf Teilzeit beschneiden will, trifft sie damit auch die Innovationskraft. Wer Menschen in starre 40-Stunden-Korsette zwingt, nimmt ihnen den Raum für kreative Eigeninitiative und den Mut zur Selbstständigkeit.
Warum 35 + 35 oft die besseren 40 sind
In einer aktuellen Podcastfolge haben sich Moritz Bornwasser, Gründer des Elternblogs Papamunity, Michael und Aline von „Kreativ-Chaos und Kaffeepausen“ das Thema spontan vorgenommen, als lebender Beweis für das angebliche „Problem“:
- Moritz Bornwasser ist seit 7 Jahren in Teilzeit angestellt und baut parallel Strukturen auf.
- Aline Wegscheider jongliert drei Kinder und einen Teilzeitjob
- Michael ist seit 8 Jahren selbstständig, inklusive Kids und Familienorganisation
Wir diskutieren darüber, warum die aktuelle Debatte ein massiver Realitätsverlust ist. Wer Effizienz will, muss Flexibilität ermöglichen. Die 40-Stunden-Woche als Goldstandard ist ein Relikt, das in einer digitalisierten und ergebnisorientierten Arbeitswelt immer mehr an Bedeutung verliert.
🎙️ Jetzt reinhören: Die neue Folge von Podlinge Wir lassen den politischen Realitätsverlust nicht unkommentiert. Warum Teilzeit für uns kein Lifestyle, sondern eine knallharte Management-Entscheidung ist, erfahrt ihr in der aktuellen Episode.
Deine Meinung zählt: Planst du deine Gründung auch in Teilzeit oder ist Vollzeit für dich alternativlos? Wie bewertest du den Vorstoß zur Abschaffung des Rechtsanspruchs auf Teilzeit? Lass es uns in den Kommentaren wissen!
